Vorblatt Lünendonk-Studie 2017, Pressegespräch

 

Das Marktforschungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder, Mindelheim, hat in einer aktuellen Studie die Entwicklungen im Rechtsberatungsmarkt analysiert und hierbei sowohl führende Wirtschaftskanzleien als auch WP-Gesellschaften einbezogen. Erste Ergebnisse der Lünendonk-Studie 2017 „Führende Wirtschaftskanzleien in Deutschland“ wurden am 25. Januar 2018 der Presse vorgestellt.

„Rechtsberatungs-Einheiten von Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften (WP) wachsen verstärkt in Bereichen außerhalb des Kerngeschäfts. In der Tat drängen die WP-Gesellschaften neben den bekannten Segmenten Management- und IT-Beratung auch in den Markt der Wirtschaftskanzleien hinein.“

zieht die Lünendonk-Studie zum Rechtsberatungsmarkt als Fazit.

Der F.A.Z Einspruch titelt daraufhin „Wirtschaftsprüfer drängen auf den Anwaltsmarkt“, während die Deutsche Wirtschafts Nachrichten sogar so weit geht, von „Internationale Konzerne drängen deutsche Anwalts-Kanzleien aus dem Markt“ zu sprechen.

Die journalistischen Berichterstattungen über die Vorstellung der Lünendonk-Studie 2017 zum Rechtsmarkt können Sie nachlesen, die Links finden Sie am Ende des Beitrags.

Enorme Herausforderungen für Rechtsanwälte

Als Rechtsanwältin erlaube ich mir, den Blickwinkel ein wenig zu verändern, weg vom Blick auf den Rechtsberatungsmarkt an sich und hin zu der Bedeutung von Aussagen der Lünendonk-Studie 2017 für den einzelnen Rechtsanwalt.

Ob Einzelkämpfer, mittelständische Kanzlei, Wirtschaftskanzlei oder „legal“-Bereich einer WP-Gesellschaft, alle sehen sich enormen Herausforderungen gegenüber. Die allseits genannte Digitalisierung soll auch hier aufgeführt werden, aber auch ein sich verändernder Kunde, die Nachwuchsproblematik oder auch der Eindruck „Stundensätze unter Druck“.

Der gesamte deutsche Markt für Rechtsberatung wird von Statista mit 24 Milliarden Euro angegeben und die Lünendonk-Studie 2017 sieht Wachstum im Bereich Rechtsberatung.

Gefragt nach zukunftsweisenden Rechtsgebieten gaben die Studienteilnehmer an, wobei Mehrfachnennungen möglich waren,

  • Datenschutz
  • Compliance
  • IT-Recht

Im Leistungsspektrum finden sich auf den ersten drei Plätzen:

  • M&A/Due Dilligence
  • Handels-/Gesellschafts-/Konzernrecht
  • Erbrecht/Nachfolgeplanung

Schlusslichter im Angebot sind Strafrecht, Lebensmittelrecht und Agrarrecht.

Hingegen wurden als Herausforderungen im Personalbereich, die Wachstum hindern könnten, angegeben:

  • Hohe Einstiegsgehälter
  • Schwierigkeiten, gute Absolventen zu finden
  • Change Management in der digitalen Transformation

Der Rechtsanwalt als Verkäufer

Die Macher der Lünendonk-Studie 2017 haben beobachtet, dass sich „Einkäufer“ von Rechtsberatung in den letzten Jahren professionalisiert haben. Dies wirft unweigerlich die Frage auf, ob ein Rechtsanwalt gewiefter Verkäufer sein, und weiter, ob er einem gewieften Einkäufer gewissermaßen auf Augenhöhe gegenübertreten kann.

Nach Ansicht von Mathias Oberndörfer, Geschäftsführer von KPMG Law, ende die langjährige Praxis der „Stunden verkaufen“. Sein Kollege José Campos Nave, Geschäftsführender Partner von Rödl&Partner ergänzt: Der Kunde zahle für Lösungen. Wobei sich der Wert des Rechtsanwalts daraus ergebe, was der Markt bereit sei zu zahlen. Zudem werde die Höhe des anwaltlichen Stundensatzes dadurch bestimmt, wo ein Projekt beginne. Arbeiten mehrere Disziplinen an einem Projekt zusammen, das WP-getrieben sei, sinken die Stundensätze der Rechtsanwälte.

Oberndörfer rief immer wieder dazu auf, „Typen“ einzustellen.