Baden-Württemberg
„STUTTGART. Anlässlich der persönlichen Übergabe von 14.607 Unterschriften für Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 in Baden-Württemberg an Kultusministerin Susanne Eisenmann hat der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) seinen Appell, dem Begehren zu entsprechen, in einer Pressemitteilung wiederholt. …“

Quelle: http://www.news4teachers.de/2016/08/philologenverband-fordert-wahlfreiheit-zwischen-g8-und-g9/

Hessen
„G8 und G9 an einer Schule. Es bleibt bei der Wahlfreiheit für Schulen zwischen G8 und G9. …“

Quelle: http://hessenschau.de/politik/schwarz-gruen-stellt-entwurf-fuer-neues-schulgesetz-vor,entwurf-neues-schulgesetz-vorgestellt-100.html

Rolle rückwärts

Den zwei Beispielen ist zu entnehmen, dass es wieder überwiegend G9 geben wird. Eine Gymnasialzeit von 9 Jahren und Abitur nach Klasse 13 – so wie früher eben. Zwischenzeitlich hatte die Politik eine vermeintlich glorreiche Idee: Die Gymnasialzeit wird auf 8 Jahre verkürzt und den Hochschulen und später dem Arbeitsmarkt werden jüngere Absolventen „zugeliefert“. G8 wurde eingeführt, je nach Bundesland zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
Jetzt, Herbst 2016, alles wieder zurück.

Mit heisser Nadel gestrickt – es waren mehr Fragen offen als die Umstellung auf G8 Antworten gab. Halten wir einen Moment inne und gedenken den „Versuchskaninchen“ dieser vermeintlich glorreichen Idee anhand eines Blickes in unser Pressearchiv:

Problemlage:
http://www.fr-online.de/rhein-main/keine-mittlere-reife-hessischer-schueler-klagt-gegen-turbo-abi-,1472796,4572228.html

Entscheidung der 1. Instanz:
http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/streit-um-mittlere-reife-richter-lehnt-schueler-klage-gegen-turbo-abi-ab-a-741360.html

Rechtsmittel 2. Instanz:
http://www.fr-online.de/rhein-main/g8-kein-abi-fuer-den-turbo-schueler,1472796,20544016.html

Entscheidung der 2. Instanz:
http://www.fr-online.de/rhein-main/urteil-gegen-schueler-keine-mittlere-reife-fuer-felix-w-,1472796,23995948.html

und in kurzer Zusammenfassung:

Die Entscheidungsgründe des Verwaltungsgerichts Frankfurt am Main waren gerade mal eine halbe Seite lang. Darin stand nur, dass es „seit jeher“ so gehandhabt wird, die Klage wurde abgewiesen.

Gegen die Frankfurter Gerichtsentscheidung hat unsere Kanzlei im März 2011 Rechtsmittel eingelegt und den Streit damit dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel (Hess. VGH) vorgelegt.

Mit Beschluss vom 29. Oktober 2012 hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel (Hess. VGH) die Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt am Main zugelassen. Der Senat teilt die Einschätzung des Klägers, dass ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des Urteils des Verwaltungsgerichts Frankfurt am Main bestehen.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel (Hess. VGH) hat am 7. August 2013 für Recht erkannt, dass eine Gleichstellung mit dem mittleren Abschluss erst am Ende der Jahrgangsstufe 10 erteilt werde.

„[…] Es liegt grundsatzlich im normgeberischen Ermessen, festzulegen, von welchen fachlichen und sozialen Kompetenzen die Zuerkennung des mittleren Bildungsabschlusses abhängig gemacht wird. Die Gesamtheit der Berechtigungen, die mit der Zuerkennung des Realschulabschlusses einhergehen, prinzipiell einheitlich vom Durchlaufen von 10 Schuljahren und dem damit verbundenen Erwerb einer bestimmten Reife sowie von sozialen Kompetenzen abhängig zu machen, stellt eine im Hinblick auf die Rechtsposition der Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern verhältnismäßige Regelung zur Verwirklichung legitimer sachlicher Ausbildungs- und Erziehungsziele dar. […]“

Fachlich geeignet, aber nicht reif.

Übersetzt hat der VGH gesagt:
G8-Schülern fehle am Ende der Mittelstufe Reife und soziale Kompetenz, deshalb stehe ihnen nach nur 9 Jahren kein mittlerer Abschluss zu.

Ich ergänze, denn dazu hat sich der VGH ausgeschwiegen:
G8-Schüler sind am Ende der Mittelstufe fachlich geeignet und dürfen in die gymnasiale Oberstufe.

Und dass es im G8-Schulaufbau keine Jahrgangsstufe 10 gibt, hat der VGH gar nicht erst bemerkt.